Schweigen ist schlimmer; alle

 

verschwiegenen Wahrheiten

 

werden giftig.

 

 

(Friedrich Nietzsche)

Polychlorierte Biphenyle (PCB)

Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind eine chemische Substanzgruppe mit insgesamt 209 „Familienmitgliedern“ (Kongeneren). Sie kommen in der Natur nicht vor und wurden wegen ihrer besonderen, hochgeschätzten Eigenschaften seit etwa 1930 in für den technischen Einsatz in großem Umfang hergestellt. Die PCB wurden unter anderem als Isoliermittel in Kondensatoren eingesetzt.

 

Meist findet man Mischungen von 70 bis 100 PCB-Kongeneren, von denen vor etwa 30 Jahren in Grundwasser und Boden unterhalb der FRAKO mindestens 29 gefunden und deren Verhalten in der Abstromfahne eingehend untersucht worden ist. (Ketterer et al. 1993) Die PCB-Mischungen sind je nach Chlorgehalt leicht- bis zähflüssige Öle. Einige Kongenere ähneln in ihrer Struktur und in ihrer biologischen Wirkung den Dioxinen.

 

Polychlorierte Biphenyle sind schwerer als Wasser. Für verschiedene Produkte (Clophen, Arochlor der Firmen Bayer bzw. Monsanto) wird je nach Mischung eine Dichte zwischen 1,15 und 1,83 g/cm³ angegeben (J. H. Montgomery 1996).

 

PCB sind langlebig und reichern sich im Organismus vor allem im Fettgewebe oder auch in der Muttermilch an. PCB verursachen beim Menschen unter anderem chronische Nervenkrankheiten und beeinträchtigen die Immunabwehr. Zudem haben sie Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit.

 

Bekannt geworden sind auch hormonähnliche Wirkungen verschiedener PCB-Kongenere. So können vor allem niedrig chlorierte PCB die Östrogen-Rezeptoren in den Geschlechtsdrüsen binden und aktivieren oder blockieren (S. B. Müller 1999, S. 73; M. Plíšková et al. 2005).

 

Auch können PCB die Schilddrüsen-Funktion beeinträchtigen, wobei am häufigsten eine Abnahme des Schilddrüsenhormons T4-Thyroxin im Blut festgestellt worden ist. Entsprechende Effekten geht eine bis zu fünffache Zunahme des Schilddrüsen-stimulierenden Hormons TSH voraus (L. G. Hansen 1998; P. Langer et al. 2003).

 

Obwohl bereits 1968 in Japan zahlreiche Menschen durch PCB schwer erkrankt sind (Yusho-Krankheit), wurde die Produktion der Stoffgruppe erst im Jahre 1983 eingestellt. 1984 wurde die Verwendung in elektrischen Betriebsmitteln und 1989 mit der PCB/PCT-Verbotsverordnung jegliche Anwendung untersagt. Am 22. Mai 2001 wurde PCB zusammen mit elf anderen langlebigen organischen Umweltchemikalien als „Dreckiges Dutzend“ (dirty dozen) in der „Stockholmer Konvention“ weltweit verboten.

 

Am 15. März 2013 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO die PCB und ihre Metaboliten in Krebskategorie K1 (für Menschen gesichert krebserzeugend) eingestuft (Béatrice Lauby-Secretan et. al. WHO 2013).

 

Literatur:

 

*Moll, Walter L. H.: Taschenbuch für Umweltschutz. IV: Chemikalien in der Umwelt. 376 S. E. Reinhardt, München-Basel. 1987

 

* Ketterer, S., Michel, J. und Holzwarth, W.: Verhalten von polychlorierten Biphenylen (PCB) in der wasserungesättigten und wassergesättigten Bodenzone eines kontaminierten Standortes. Econinforma 2:237-249. Bayreuth 1993 (darin Untersuchungsergebnisse zur PCB-Altlast FRAKO)

 

* Brunn, H. (1994): Zu Vorkommen und Bewertung polychlorierter Biphenyle in der Frauenmilch. in: Akt. Ernähr.-Med. 19 (1994), 97-103

 

* LFU - Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (Hrsg.): Stoffbericht Polychlorierte Biphenyle (PCB). Texte und Berichte zur Altlastenbearbeitung 16/95. 126 S. Karlsruhe 1995. (dort auf S. 3 Angaben zur FRAKO-Altlast).

 

*Montgomery, John H. (1996): Groundwater Chemicals. 1345 S. 2nd ed. CRC Press Inc. Boco Raton-New York-London-Tokyo

 

* Hansen, L. G. (1998): Stepping backward to improve assessment of PCB congener toxicities. Environmental Health Perspectives. 106, Supplement 1, Feb. 1998

 

* Müller, Silke Barbara (1999): Polychlorierte Biphenyle (PCB) – begrenzter Nutzen, grenzenloser Schaden. Verein f. Umwelt- und Arbeitsschutz Bremen

 

* LUA NRW (2002): Toxikologische Bewertung polychlorierter Biphenyle (PCB) bei inhalativer Aufnahme. LUA_Materialien Band Nr. 62. 324 S. Essen.

 

* Stockholmer Übereinkommen über persistente organische Schadstoffe. 62 S. 2001

 

* Plíšková, M. et al. (2005): Impact of Polychlorinated Biphenyls Contamination on Estrogenic Activity in Human Male Serum.

 

* Langer, P. et al. (2003): Studies on the interrelations between the pollution by polychlorinated biphenyls and thyroid gland.

 

* Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hrsg.): UmweltWissen Polychlorierte Biphenyle (PCB). 12 S. München 2008

 

* Lauby-Secretan, Béatrice et. al. (WHO): Carcinogenicity of polychlorinated biphenyls and polybrominated biphenyls. Erklärung der PCB in WHO-Krebskategorie 1 (für Menschen gesichert krebserzeugend). March 15, 2013.

 

Niederchlorierte PCB

PCB 1 und PCB 151
PCB 1 und PCB 151

In der Industrie wurden PCB in Form technischer Gemische eingesetzt, wobei die Anteile an niederchlorierten Biphenylen und solchen mit einer höheren Anzahl an Chlor-Atomen je nach Produkt unterschiedlich waren. Die FRAKO hat die Produkte der Firma Bayer Leverkusen verwendet (Clophen A30 und Clophen A40 = 30 % bzw. 40 % Chlorierungsgrad). In technischen Gemischen sind die niederchlorierten Biphenyle mit einem bedeutenden Anteil vertreten (Schulz D. E. et al. 1989, zit. in Zhai Gangshu 2011).

 

In den letzten Jahren sind bei der toxikologischen Bewertung vor allem die niederchlorierten PCB in den Focus der Wissenschaften geraten (z. B. IARC Technical Publication No. 42, Lyon 2009).

 

Biphenyle mit einem oder wenigen Chloratomen sind flüchtiger als höherchlorierte und kommen damit in Innenräumen teilweise in hohen Anteilen vor. Dabei weist eine US-amerikanische Studie darauf hin, dass auch unter den niederchlorierten Biphenylen Unterschiede bestehen. Bei Raumluftuntersuchungen wurde ein überraschend hoher Anteil an den beiden Kongeneren PCB 1 und PCB 3 gemessen, während andere niederchlorierte nur in geringer Konzentration auftraten (Davis B. K. et al.).

Dioxinähnliche PCB (dl-PCB)

Einige PCB haben eine ähnliche Raumstruktur und -abmessung wie polychlorierte Dibenzo-Dioxine oder polychlorierte Dibenzo-Furane (PCDD/PCDF). Bei dl-PCB (dioxin-like PCB, auch coplanare PCB) liegen die Benzolringe wie bei PCDD und PCDF in einer Ebene, woraus ähnliche Wirkungen auf Organismen resultieren. Beim Menschen können sich diese Auswirkungen auf das Hormonsystem beziehen, indem schon sehr kleine Konzentrationen Änderungen im Zellstoffwechsel bewirken können.

Strukturähnlichkeit von PCDD und bestimmten PCB (hier PCB 77)
Strukturähnlichkeit von PCDD und bestimmten PCB (hier PCB 77)

Heute werden bei Messungen neben den 6 Standard-PCB meist dl-PCB mit erfasst. 

 

Wie für die Dioxine wurden für die dl-PCB toxische Äquivalenzfaktoren (TEF) abgeleitet, die ihre Wirksamkeit im Verhältnis zu dem "Seveso-Dioxin" 2,3,7,8-Tetrachlordibenzo-p-dioxin (TCDD) beschreiben. Entsprechend wird die "Wirksumme" von dioxinähnlichen PCB und Dioxinen in Toxizitätsäquivalenten (TE oder TEQ = Toxizitätsäquivalente) angegeben.

 

Belastung der Fische im Elzgraben mit dl-PCB

 

Bei den Untersuchungen der Gemeinde Teningen an Fischen im Elz-Dammgraben  wurden nicht nur die 6 Standard-PCB gemessen, sondern auch dl-PCB erfasst. Dabei wurde im Aal nach Angaben des Landratsamtes vom September 2013 eine Konzentration von 259 pg TEQ/g dl-PCB nachgewiesen. Der Grenzwert liegt bei 10 pg TEQ/g.

 

Bei landesweiten Untersuchungen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucher-schutz NRW (LANUV) wurde die Belastung von 127 Wildaalen aus 11 NRW-Gewässern mit Dioxinen und polychlorierten Biphenylen (PCB) untersucht. Dabei wurde der Grenzwert von 10 pg TEQ/g Frischgewicht für dl-PCB meist überschritten, allerdings wurde nur eine Probe gefunden, bei der die dl-PCB den Wert von 100 pg TEQ/g überschritten hat (LANUV 2012).

 

Die Fische im Elz-Dammgraben bei uns waren mit 259 pg TEQ/g belastet!

 

Einschränkend hat das Landratsamt lt. Badische Zeitung vom 17.09.2013 festgestellt, dass nicht sicher sei, ob die hohe Belastung der Fische auf die PCB-Einleitungen der FRAKO zurückzuführen ist, da es viele Arten von PCB gebe. Und außerdem seien die Ergebnisse nicht repräsentativ, da schließlich nur drei Fische untersucht wurden.

 

dl-PCB in Wohnräumen

PCB 118 als Beispiel für ein dl-PCB
PCB 118 als Beispiel für ein dl-PCB

In Gebäuden sind neben den 6 Indikator-PCB vielfach dioxinähnliche PCB untersucht, für die niedrigere Grenzwerte zu beachten sind als für die Indikator-PCB.

 

Für dioxinähnliche Kongenere in Innenräumen gilt, dass bei einer Konzentratrion von 10 ng/m³ Raumluft zu sanieren ist, so die PCB-Richtlinie 2010 (GABl Nr. 8 vom 27. Juni 2012).

 

Das Landratsamt Emmendingen hat die Raumluft in unseren Kellern 2013 nach der uralten  Richtlinie von 1995 angewendet. Nach dieser lascheren Richtlinie war erst bei 30 ng/m³ dl-PCB zu sanieren.

 

Oftmals wird alleine PCB 118 als Vertreter der dl-PCB untersucht. Weitere dl-PCB, die ebenfalls in der Raumluft vorkommen können, werden damit nicht erfaßt.

 

Hydroxylierte PCB (OH-PCB)

PCB werden wie die meisten Umweltchemikalien abgebaut. Dabei entstehen Zwischenprodukte oder Metaboliten, die vielfach andere chemische Eigenschaften und Wirkungen für den Menschen haben, als die ursprünglichen Stoffe. So schreibt die frühere Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg bereits vor fast 20 Jahren (LfU 1995:S. 42): "Hydroxylierte Produkte sind die wichtigsten PCB-Metabolite. ... Einige hydroxylierte Metabolite werden an Transthyretin gebunden, was dazu führt, daß der Transport von Vitamin A und Thyroxin gestört wird." Eine spannende Übersicht über den aktuellen Stand der Forschung zu zahlreichen Umbauprodukten (Metaboliten) der "ursprünglichen PCB" zeigen Grimm, Fabian A. et al. 2013.

 

Vom Landratsamt wurde auf unsere Anfrage nach UIG, bei der Informationsveranstaltung im Mai 2012 oder bei der Anhörung des Petitionsausschusses im Juli 2013 stets betont, dass die PCB, die uns die FRAKO hinterlassen hat, im Grundwasser "praktisch nicht abbaubar" seien. Dabei wussten die Behörden aus der oben zitierten LfU-Schrift, spätestens jedoch seit den Untersuchungen in der "Kiesgrube" an der Autobahn in den Jahren 2003 und 2004, dass dort sogenannte "hydroxylierte PCB" (auch als OH-PCB bezeichnet) vorkommen, also Abbauprodukte der PCB (Rüdel, Heinz et al. 2007).

 

In dieser Arbeit wurde bereits 2007 folgende Forderung aufgestellt, um überhaupt zu einer Bewertung über die Auswirkungen dieser hormonähnlichen Stoffe zu kommen:

 

"Daher sind zum einen weitere Untersuchungen im Abstrom von möglichen Emittenten durchzuführen, um ein vollständigeres Bild vom Ausmaß des Problems zu gewinnen. Zum anderen sind die identifizierten hormonaktiven Einzelverbindungen zu quantifizieren und mit Hilfe eines einheitlichen Testsystems bezüglich ihrer östrogenen Potenz zur charakterisieren."

 

In unserer Wohnsiedlung wurde dieser Forderung des Umweltchemikers Karl-Theodor von der Trenck von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW; vorher LfU) in den letzten 10 Jahren nicht nachgekommen, die Metaboliten wurden bei uns nie untersucht, bis die Bürgerinitiative eigene Nachforschungen angestellt hat. Nach den Analysen, die Hans-Dieter Stürmer vom Freiburger Institut für Umweltchemie (FIUC) im Auftrag der Bürgerinitiative durchgeführt hat, ist das Grundwasser in der Siedlung mit eben diesen Metaboliten belastet. Diese dürften gar nicht erst vorkommen, wenn die PCB nicht abbaubar wären, wie das Landratsamt immer versichert hat.

 

Erkenntnisse zur Wirkung von Hydroxy-PCB auf die Gesundheit des Menschen

 

Hydroxylierte PCB und andere PCB-Metaboliten wirken auf das Hormonsystem und andere körpereigenen Botenstoffe und können zu einer Vielzahl negativer Effekte führen: OH-PCB und andere PCB-Metaboliten verdrängen Schilddrüsenhormone von ihrem Transportprotein und führen so zu einer Störung der Schilddrüsenfunktion (Kimura-Kuroda, Junko et al. 2004;  Grimm, Fabian A. et al. 2013).

 

Bei Kindern, die im Mutterleib PCB ausgesetzt waren, wurden Defizite beobachtet (verringerter Intelligenzquotient, schlechteres visuelles Gedächtnis, Aufmerksamkeitsdefizit und Defizit in der Steuerung von Bewegungsabläufen), die auf eine Störung der Schilddrüsenhormone der Mutter zurückgeführt werden (Fritzsche, Ellen et al. 2005).

 

Hydroxy-PCB und andere PCB-Metaboliten können die Kommunikation benachbarter Körperzellen stören, an den Dioxin-Rezeptor (Ah-Rezeptor) binden und östrogen oder anti-östrogen wirken (Machala, Libor et al. 2004).

 

Für einzelne Hydroxy-PCB und andere PCB-Metaboliten wurde gezeigt, dass sie das Enzym Aromatase (das z.B. Testosteron in Estradiol umwandelt) und die Ausschüttung von Glukokortikoiden hemmen (Antunes-Fernandes, Elsa C. et al. 2011).

 

Glukokortikoide („Stresshormone“) sind chemische Botenstoffe, die die Anpassungsreaktion des Körpers bei besonderen Belastungen bewirken.

 

Hydroxy-PCB in Pflanzen

 

PCB 3 - Epoxid - OH-PCB 3
PCB 3 - Epoxid - OH-PCB 3

PCB werden auch von Pflanzen aufgenommen. Bei jüngsten Untersuchungen an Pappeln konnten Reaktionspfade postuliert werden, auf denen das niederchlorierte Biphenyl 3 in den Pflanzen über eine Zwischenstufe durch Anfügen einer OH-Gruppe zu einem OH-PCB oder Hydroxy-PCB überführt wird.

 

OH-PCB wird eine höhere Toxizität zugeschrieben als den ursprünglichen PCB, wie sie von der FRAKO eingesetzt worden sind.

 

Weitere Reaktionspfade führen zu verschiedenen Varianten der OH-PCB.

 

Wenn PCB in Pappeln zu deren hydroxylierten Metaboliten umgewandelt werden, ist zu erwarten, dass dies auch für andere Pflanzen, etwa für Gemüse oder Obstbäume zutrifft.

 

Angaben und Strukturformeln nach Guangshu Zhai et al. 2011.

Literatur:

 

* LFU - Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (Hrsg.): Stoffbericht Polychlorierte Biphenyle (PCB). Texte und Berichte zur Altlastenbearbeitung 16/95. 126 S. Karlsruhe 1995

 

* Rüdel, Heinz. et al. (2007): Positionspapier zum stoffbezogenen Umweltmonitoring. Mitt Umweltchem Ökotox 13. 36 Jahrg. Nr. 2 und 3. - darin Abschnitt 7.2 S. 21f. : v. d. Trenck, Karl-Theodor.: Wirkungsmonitoring: Hormone und hormonartige Substanzen im Grundwasser von Altlaststandorten (Kapitel 7.2)

 

* Kimura-Kuroda, Junko et al. 2004: Disrupting effects of hydroxy-polychlorinated biphenyl (PCB) congeners on neuronal development of cerebellar Purkinje cells: A possible causal factor for developmental brain disorders? Chemosphere 67 (9) 412-420.

 

* Grimm, Fabian A. et al. 2013: Sulfated Metabolites of Polychlorinated Biphenyls Are High-Affinity Ligands for the Thyroid Hormone Transport Protein Transthyretin. Environmental Health Perspectives. 121 (6) 657-662.

 

* Fritzsche, Ellen et al. 2005: Polychlorinated Biphenyls Disturb Differentiation of Normal Human Neural Progenitor Cells: Clue for Involvement of Thyroid Hormone Receptors. Environ Health Perspect. Jul 2005; 113(7): 871–876.

 

*Zhai, Guangshu et al. 2011: New hydroxylated metabolites of 4-monochlorobiphenyl in whole poplar plants. Chemistry Central Journal 2011, 5:87.

 

* Machala, Libor et al. 2004: Toxicity of hydroxylated and quinoid PCB metabolites: inhibition of gap junctional intercellular communication and activation of aryl hydrocarbon and estrogen receptors in hepatic and mammary cells. Chem Res Toxicol.  17 (3) 340-347

 

* Antunes-Fernandes, Elsa C. et al.2011: Some OH-PCBs are more potent inhibitors of aromatase activity and (anti-) glucocorticoids than non-dioxin like (NDL)-PCBs and MeSO₂-PCBs. Toxicol Lett. 206 (2) 158-165

 

* Grimm, Fabian, A. et al. 2015: Metabolism and metabolites of polychlorinated biphenyls (PCB's). Crit. Rev. Toxicol. 2015 Mar; 45(3):245-272.

 

(aw - für die Hinweise zur Wirkung der OH-PCB sowie auf diese Stoffe überhaupt danken wir verschiedenen Experten auf diesem Gebiet herzlich)

 

Geringfügigkeitsschwellenwert

Ein Geringfügigkeitsschwellenwert (GFS) ist eine typische, wohl nur in deutscher Sprache mögliche und aus deutschem Regelungsbemühen entsprungene bürokratienahe Wortschöpfung von Fachleuten.

 

Nach der Definition ist der GFS „ein Maßstab, bis zu welchen Stoffkonzentrationen anthropogene, räumlich begrenzte Änderungen der chemischen Beschaffenheit des Grundwassers als geringfügig einzustufen sind und ab welcher Konzentration eine Grundwasserverunreinigung (= Grundwasserschaden) vorliegt“. Die Konzentrationswerte werden auf human- und ökotoxikologischer Grundlage festgelegt.

 

Auf Deutsch: man geht davon aus, dass beim Unterschreiten des GFS-Wertes ein Stoff für den Menschen und die Umwelt nicht mehr giftig ist

 

Das allgemeine Ziel für das Grundwasser ist jedoch nicht der GFS-Wert, sondern ein „guter Zustand“. Und der ist dann gegeben, wenn das Grundwasser überhaupt keine Schadstoffe aufweist, soweit diese nicht natürlich etwa im Gestein vorkommen (geogene Hintergrundwerte). Da PCB in der Natur nicht vorkommen, gibt es keine „Hintergrundwerte“ aus natürlichen Quellen!

 

Für uns in Köndringen heißt das: wenn die PCB-Werte in unserem Grundwasser irgendwann nach einer Sanierung einmal unterhalb des GFS-Wertes liegen, ist das zwar immer noch kein „guter Zustand“, wie eigentlich gefordert, aber immerhin muss der Verursacher, die FRAKO, dann die Konzentration nicht mehr weiter senken und die für die Gefahrenabwehr zuständigen Behörden brauchen nicht mehr auf eine Senkung der Konzentrationen dringen, weil sich dann im Grundwasserstrom ein Zustand einstellt, der zwischen „natürlich rein“ und „geringfügig verunreinigt“ liegt (von der Trenck et al. 1999).

 

Im Moment liegt die Konzentration im von FRAKO verursachten PCB-Grundwasserschaden bei uns teilweise mehr als 1.500-fach über dem GFS. Für uns ist das nicht akzeptabel. Die Behörden sind gefordert, einzuschreiten und den Verursacher nach fast 25 Jahren dazu zu zwingen, endlich wirksam zu sanieren.

 

Vorsicht, der Teufel steckt aber im Detail. Die Arbeitsgemeinschaft der Bundesländer (LAWA 2004) hat die Geringfügigkeitsschwelle für PCB auf 0,01 µg pro Liter festgesetzt. Auch die LUBW (2008; S. 50) führt in ihrer Schrift diesen GFS-Wert auf. Gleichzeitig wird dort ein „Prüfwert“ von 0,05 µg pro Liter angegeben, der in der täglichen Verwaltungspraxis auch angewendet wird. Für die Behörden sind unsere PCB-Konzentrationen also nur um das 300-fache überschritten. Honni soit qui mal y pense.

 

Wers versteht, kann uns eine mail schicken: info@sauberes-grundwasser.de. Wir belohnen jede hinreichend begründete Antwort mit einer Flasche frisch aus einem unserer Handbrunnen geschöpften Grundwasser.

 

 

Literatur:

 

* von der Trenck, Karl Theodor et al.: Ableitung von Geringfügigkeitsschwellen zur Beurteilung von Grundwasserverunreinigungen. Umweltmed Forsch Prax 4 (3):168-183. Landsberg 1999.

 

* LAWA - Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (Hrsg.): Ableitung von Geringfügigkeitsschwellenwerten für das Grundwasser. 33 S. Düsseldorf 2004

 

* LUBW - Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg: Untersuchungsstrategie Grundwasser - Leitfaden zur Untersuchung bei belasteten Standorten. Karlsruhe 2008.

 

* Lauby-Secretan, Béatrice et al. (WHO): Carcinogenicity of polychlorinated biphenyls and polybrominated biphenyls. Erklärung der PCB in WHO-Krebskategorie 1 (für Menschen gesichert krebserzeugend). March 15, 2013.

 

(aw)

 

 

Wir sind für jede Unterstützung dankbar!

Tragen Sie sich in unser Gästebuch / Forum ein und sagen Sie uns Ihre Meinung oder nehmen Sie mit uns per Mail Kontakt auf...

Besten Dank an alle!

 

Aktuelles!

Aktuelle Meldungen werden jeweils in unserer Chronik eingefügt und erläutert.

 

Wer mehr wissen will, kann dort mehr erfahren.

10. Mai 2017

Beate Böhlen MdL, Vorsitzende des Petitionsausschusses, schreibt der BI nach Jahren! als Reaktion auf die Eingabe von Axel Mayer vom BUND.

Brief als pdf und Kommentar unter Chronik.

 

 

 

 

19. April 2017

BUND-Geschäftsführer Axel Mayer schreibt an die Vorsitzende des Petitionsausschusses Beate Böhlen MdL

Schreiben als pdf sowie Kommtentar unter Chronik

--------------------

19. April 2017

"Jubeltag" : 21. April 2017

5 Jahre unerhörte Petition!

5 Jahre schweigende Volksvertreter!

 

weiter unter Chronik

----------------------

9. Dezember 2016

26 Bürger aus Siedlung und Elzstraße schreiben dem GRÜNEN-MdL Alexander Schoch, weil er in seinen Fragen an Umweltminister  Untersteller die Problematik unserer Keller und des eindringenden PCB-Grundwassers mit keinem Wort angesprochen hat!

weiter unter Chronik

----------------------

29. November 2016

GRÜNEN-MdL Alexander Schoch schickt uns die Antwort von Umweltminister Franz Untersteller auf seine Fragen.

weiter unter Chronik

----------------------

15. Juli 2016

Auf Anfrage von GRÜNEN-MdL Alexander Schoch treffen sich Mitglieder der BI mit ihm.

weiter unter Chronik

----------------------

8. Juli 2016

Die SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle stellt eine kleine Anfrage beim Umweltministerium zu Altlasten im Landkreis und speziell auch zum PCB-Umweltschaden in Köndringen.

 

Original der Anfrage unter Chronik

----------------------

13. Juni 2016

Der GRÜNEN-MdL Alexander Schoch weist Feststellung von Wolfgang Fürchow in dessen Leserbrief vehement zurück!

weiter unter Chronik

----------------------

10. Juni 2016

BI-Mitglied Wolfgang Fürchow beschreibt die Untätigkeit des GRÜNEN-MdL Alexander Schoch in einem Leserbrief an die Badische Zeitung.

Leserbrief und Kommentar unter Chronik

 

 

 

 

 

Dezember 2015

Umweltbundesamt veröffentlicht umfangreichen Bericht zu Dioxin-/Furan- und PCB-Belastungen und geht dabei auch auf FRAKO-PCB-Folgelasten ein.

Kommentar unter Chronik

 

 

 


03. bis 06. November 2015

PCB-Belastung von Hühnereiern und Fischen in Köndringen wird auf internationalem Kongress in Saragossa zur Diskussion gestellt.

Mehr unter Chronik

 

 

 

 

23. bis 28. August 2015

Köndringer Hühnereier sind Thema auf der "DIOXIN-Konferenz" in Sao Paulo

Anmerkung unter Chronik

 

 

 

 

23. Juli 2015

Land stellt Kommunen über 15 Millionen Euro für Sanierung von Altlasten bereit.

Kommentar unter Chronik

12. Juli 2015

Bürger wenden sich erneut an den Petitionsausschuss

weiter unter Chronik

 

 

03. Februar 2015

Papagei-BZ-Verlautbarung: Entwarnung für den Boden!

weiter unter Chronik



4. Dezember 2014

SWR odysso<< berichtet im TV

Kommentar unter Chronik

03. Dezember 2014

"Abreinigung" von PCB-Grundwasser über die Kanalisation ist Stand der Technik

weiter unter Chronik

10. November 2014

Landratsamt antwortet ausführlich auf unsere Eingabe vom 6. August

weiter unter Chronik

26. September 2014

Bürgermeister Hagenacker desinformiert die Öffentlichkeit

weiter unter Chronik

23. September 2014

Gemeinderat berät PCB-Umweltschaden

Gemeinde und Landratsamt informieren und beschönigen die Situation unter anderem mit unwahren Aussagen.

weiter unter Chronik

06. August 2014

BI schreibt an das Landratsamt wegen Untersuchungen zur PCB-Belastung von Boden und Hühnereiern

weiter unter Chronik

11. Juli 2014

Badische Zeitung berichtet: "Landratsamt plant Bodenuntersuchungen"

weiter unter Chronik

30. Juni 2014

Das Umweltministerium bestätigt endlich den Eingang der Umweltmeldungen vom 25. Mai und vom 12. Juni.

27. Juni 2014

Landratsamt schickt vorläufigen Untersuchungsbericht zu Hydroxy-PCB im Grundwasser

27. Juni 2014

Informationstreffen mit Vertretern der Gemeinderats-Fraktionen.

Ergebnis: Im Grundsatz unterstützen alle anwesenden Räte unser Anliegen und werden weiteres Vorgehen der Gemeinde beraten.

29. Mai 2014

Wir haben die Ergebnisse der von uns privat bezahlten Analysen zur PCB-Belastung in den Eiern unserer Hühner an das Umweltministerium in Stuttgart gemeldet.

 

Gleichzeitig haben wir an den Petitionsausschuss geschrieben, da bisher immer davon ausgegangen worden ist, dass FRAKO-PCB ausschließlich im Grundwasser vorkommen.

 

Die Umweltmeldung und das Schreiben an Frau Böhlen MdL finden Sie unter Dokumente

11. Juni 2014

Erneute Umweltmeldung wegen Handbrunnen

Die Umweltmeldung und das Schreiben an Frau Böhlen MdL finden Sie unter Dokumente

29. Mai 2014

Wir haben die Ergebnisse der von uns privat bezahlten Analysen zur PCB-Belastung in den Eiern unserer Hühner an das Umweltministerium in Stuttgart gemeldet.

 

Gleichzeitig haben wir an den Petitionsausschuss geschrieben, da bisher immer davon ausgegangen worden ist, dass FRAKO-PCB ausschließlich im Grundwasser vorkommen.

 

Die Umweltmeldung und das Schreiben an Frau Böhlen MdL finden Sie unter Dokumente

31. März 2014

Das Landratsamt reagiert auf unsere Eingaben vom 03. 11.2013 und vom 02.02.2014 .

Das Schreiben finden Sie unter Dokumente

05. März 2014

18 Betroffene aus Siedlung und Elzstraße schicken einen Leserbrief zur Pressemeldung von Thomas Marwein MdL an die Badische Zeitung.

 

Die Badische Zeitung hat den Leserbrief am 21. März veröffentlicht. Er ist unter Presse & Medien zu finden.

20. Februar 2014

Thomas Marwein MdL gibt grünes Licht ohne eine mögliche Schadstoffbelastung durch dioxinähnliche PCB, hydroxylierte PCB, niederchlorierte Biphenyle zu bewerten, wie wir in unseren Eingaben gefordert haben.

 

Bericht in der BZ und Kommentar unter Chronik

9. Februar 2014

BI schreibt an Petitionsausschuss

 

Original des Schreibens an Frau Böhlen MdL unter Chronik

2. Februar 2014

31 Bürger schreiben an den Landrat

Original und Kommentar unter Chronik

16. Januar 2014

Landratsamt nimmt Stellung zu Stürmer-Gutachten und zu den Kelleruntersuchungen

Original unter Chronik

3. Dezember 2013

Bürgeranfrage im Gemeinderat

Kommentar unter Chronik

14. November 2013

Landratsamt genehmigt Bauvorhaben ohne die Schadstoffbelastung durch hydroxylierte PCB und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) zu bewerten.

Investoren-Grundstück neben dem FRAKO-Industriegelände
Investoren-Grundstück neben dem FRAKO-Industriegelände

 ... mehr unter --> Chronik

12. November 2013

15 Frauen aus Siedlung und Elzstraße schicken eine Umweltmeldung an das Umweltministerium in Stuttgart.

 

Text der Umweltmeldung kann hier heruntergeladen werden: Chronik

3. November 2013
Stürmer-Gutachten und Schreiben an den Landrat

 

Das Gutachten von Hans-Dieter Stürmer, der am 22.09.2013 verstorben ist, sowie das Schreiben von 26 Bürgern an den Landrat  können hier heruntergeladen werden [--> Dokumente]

17. September 2013
Fische im Dammgraben hochgradig

mit PCB belastet.

Aale - Foto: Dmitriy Konstantinov
Aale - Foto: Dmitriy Konstantinov

12. Juli 2013
Der Petitionsausschuss war in Teningen!

Medienberichte finden Sie hier: [--> Presse und Medien].

15. März 2013

Einstufung der PCB durch die Weltgesundheitsorganisation WHO

Die WHO stuft die PCB sowie deren Metaboliten in die höchste Krebskategorie 1 (für Menschen gesichert krebserzeugend) ein        [--> Erklärung der WHO].

11. Februar 2013

Nachdem wir unsere Petition vor fast einem Jahr eingereicht haben, wenden wir uns nochmals an den Abgeordneten unseres Vertrauens, Alexander Schoch von den GRÜNEN s. Chronik

20. Januar 2013
Wie geht das mit unserem Grundwasser weiter?

Die BI dringt in einem Schreiben an den Petitionsausschuss darauf, den Grundwasserschaden unter Siedlung und Elzstraße komplett neu zu bewerten und aufgrund der Untersuchungsergebnisse einen Sanierungsplan für den gesamten Abstrombereich zu erstellen. Unser Schreiben kann unter "Petition" heruntergeladen werden.

29. November 2012

Bürger aus der Siedlung und der Elzstraße tragen dem GRÜNEN Abgeordneten Alexander Schoch in dessen Wahlkreisbüro ihr Anliegen vor. siehe Chronik

21. April 2012

BI reicht Petition beim Landtag von Baden-Württemberg ein...

Original der Petition und Schriftverkehr mit dem Petitionsausschuss finden Sie hier

30. März 2012

Das verborgene Ökosystem unter unseren Füßen

Es geht nicht nur um die Menschen, ein ganzer Lebensraum ist betroffen! jetzt hier lesen...

Gefährdete Tierwelt in unserem Grundwasser. Bild: Dr. Peter Pospisil, Wien.
Gefährdete Tierwelt in unserem Grundwasser. Bild: Dr. Peter Pospisil, Wien.